Yoga bei Angst; mein Erfahrugsbericht

Wild  rose with dew drops

Namaste,

eine wunderbare Idee, über Yoga bei Angst berichten zu lassen!

Mehr über Angst erfährst du auf den Seiten von Yoga Vidya:

http://www.yoga-vidya.de/yoga-psychologie/einsatzbereiche/beschwerdebilder/angst.html
Hier meine Erfahrung:

Als ich Januar 2011 von Deutschland nach Tunesien umgezogen bin, landete ich Mitten in der Jasmin-Revolution in Tunis; die Verbindung nach Djerba, meine damals neue Heimat, wurde storniert, nun sass ich da, am Flufhafen und suchte nach einem Unterkunft im Quartier Lafayette. Nichts ausser Panzer, Soldaten und Hubschrauber…..Lärm, Demos an jede Ecke, ein früheres Leben hinter mir, ein neues vor mir, und jetzt, im hier und Jetzt, im „Matto-Grosso des Lebens“, Afrika, Tunesien, Orient, ein Volk und seine Würde, Hoffnung und Durchsetzungswille aber auch Gewalt und Verzweiflung stark spürbar, anfassbar…. Ich befand mich genau zwischen 2 Lebensabschnitte, irgendwie zwischen 2 Dimensionen… in meiner Handgepäck: mein Mala, ein Teddy, und das Foto Swami Sivananda. Als ich in meinem Hotel-Zimmer ankam, ein altes zerfallenes Hotel, überfüllt mit Journalisten, wusste ich: hier ist alles völlig anders, hier ist die Sonne höher und stärker, dafür gibt es auch mehr Schatten…..und was für welche! Übermüdet da ich seit Wochen den Umzug organisierte waren meine Nerven ziemlich blank gestellt, auch ich liess meine gute Freunde und ein Stück zu Hause hinter mir, meine berufliche Selbständigkeit, und kam nun in einem Land indem ich weder Haus noch Arbeit hatte, weder Freunde noch Unterstützung, ein Land das am rebellieren war, in der Mitte einer Revolution…Jedoch folgte ich eine grosse innere Stimme die mir seit einem Jahr sagte: „GO, Sarasvati, GO!“ Das erste was ich tat, als ich in Zimmer kam (eng, stinkig, unaufgeräumt und nicht wirklich geputzt,laut und heiss, packte ich das Bild Swami Sivananda aus, schön eingerahmt, meine Stoff-Lotosblüte, eine Kerze, und baute so ein kleines Altar mit Hilfe meines Halstuches um es etwas schönes zu dekorieren: kaum sass ich davor im Fersesitz, veränderte sich leicht das Gesichausdruck der Swami, und mein Sahasrara-Chakra dehnte sich soweit aus wie ich es noch nie zuvor erlebte; ich fühlte, dass die ganze Liebe des Universums mich umhüllte und vor allem fühlte ich mich so sicher, so geborgen und so richtig auf dieem Weg wie noch nie! Dies mittendrin in der Revolution, unter zahlreiche Hubschrauber, mitten in eine Stadt die tobbte und nach Freiheit schreite: der Diktator war erst seit 3 Tage aus dem Lang geflüchtet…. Der „einfache“ Fersesitz vis à vis des Altar war in dem Moment ein Maha-Yoga Erlebnis! In der Tat, als ich später auf Djerba während der Krieg in Lybien ab und zu wieder mich sehr einsam und ausgeliefert fühlte, als ich auch Opfer Schwarze Magie wurde – sie wird extrem oft dort praktiziert – war diese Haltung immer die richtige, und kurz danach habe ich immer , immer ein Zeichen des Kosmos erhalten, sei es eine liebe Geste, eine Begegnung die mir gut tat, eine neue Richtung, oder ein besonderes Energie-Erlebnis!

Kaum war die Jasmin-Revolution vorbei, kamm die nächste Herausforderung: Der Krieg in Libyen, 70 Kilometer von uns entfernt.

Während des Krieges in Libyen – Februar bis Oktober 2011 – hatten wie viele Flüchtlinge auf der Insel, viele Flüchtlingslager (der ganze Flughafen war eine Zeitlang ein Lager) und dadurch während bestimmte Zeiten kam en an Mangel an Wasser und Milch (dort eine Grundnahrung), aber auch verlorene Menschen aus dem Nachbachland welche Alkohol und ethische Regeln missbrauchten. Keine einfache Lage wenn man als alleinstehende Frau dort lebt, mittendrin auf Sandpisten und ohne Auto… eine Zeit mit wenig Arbeit, hohe Miete da reiche Lybier auf Djerba lebten und dadurch die Preise erhöten, und viele Mitmenschen am verzweifeln, am trauern, aber auch viele illegale Geschäfte und Prostitution. Ab und zu hörte ich in dem Souk, dass Europäer der Teufel repräsentieren, oder, dass man alle franzose umbringen sollte, manchmal auch agressive Gesten oder böse Blicke, Beschimpfungen… agressive Stimmung. Dabei sind Tunesier und vor allem Djerbi ein extrem friedliches Volk, weise und sehr gebildet. In dieser Zeit, die kurz war aber einem unheimlich lang vorkommen kann, übte ich täglich Yoga, und stellte immer wieder fest, dass meine Stabilität von Tag zu Tag immer besser wurde: so kam ich schnell in den Kopfstand – vorher Jahre geübt und mich nie wirklich getraut – plötzlich konnte ich es, und es war jedes Mal eine enormes Erlebnis, aber auch eine Antwort: Du bist stark und fest und stabil wie noch nie, deine Stabilität ist dein Sieg! aber auch die Heldestellungen und die Vorwärtsbeuge waren eine grosse Hilfe und Bestätigungen, die wunderbare Kobra – sie war fast ein Muss 2 Mal am Tag, aber auch der Drehsitz, indem ich immer das schlimmste hinter mir visualisierte und spürte, es entfernte sich immer weiter und so fühlte ich mich wieder frei und Angstlos. Ich übte sogar eigene erfundene Asanas, wie die „Lotosblüte der Lotophagen“, oder „Der Pharao der sein Licht austrahlen lässt“, „Der Tanz der Ulysse“; es war wie eine kosmische Führung die meine Bewegungen leitete, und jedesmal hatte ich ein grosses Lächeln auf der Lippe, ein enormes Vertrauen, und vor allem eine innere Stimme die mir sagte: „Wunder geschehen, lass es zu, bleib auf dein Tao, und sei dankbar, VERTARAUE, ICH BIN DA – MAHA YOGA!“. So konnte ich unheimlich viel über mich lernen, über meine tiefste verankerte Ängste die sich dort ungezwungen nach aussen manifestieren konnten – sie wurden ja eingeladen – und über die Macht der Asanas, und deren Energie, die natürlich auf einer Insel noch stärker spürbar ist, da das Wasser sie schneller und intensiver weiterleitet.

Es folgten dann wunderbare Zeiten, als Ruhe und Ordnung in diesem magisches Land wiederkamen, wundervolle Begegnungen, eine tolle Arbeit als Yogalehrerin, die erste Yogastunden für Djerbi – Männer und Frauen in einer Gruppe, eine Première! – und eine Zeit der Erkenntnis, Versöhnung, Entfaltung und Bestätigung! Seitdem, egal wo ich gehe, egal wo ich bin, begleitet mich immer das Bild der Swami, als Erinnerung aus diese Zeit, die ich ohne Yoga (als Lebenseinstellung) ganz bestimmt nicht so intakt und tief erlebt und gelebt hätte, als Erinnerung der Sieg des gutes, Licht über Angst, Mut über Dunkelheit ! Es war die schönste, beste und lehrreichste Zeit meines Leben und ich bin fest überzeugt, dass es eine göttliche Führung war die mich dorthin schickte, um eben Yoga intensiver und authentischer zu leben!

Om tat sat!

Sarasvati Devi B., Yogalehrerin und Weltbürgerin

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