Wie Yoga mir bei meinen Ängsten geholfen hat

http://www.yoga-vidya.de/yoga-psychologie/einsatzbereiche/beschwerdebilder/angst.html

Ich habe lange überlegt mit was für Worten ich diesen Text beginnen soll. Meine Erfahrungen mit der heilenden Wirkung von Yoga gegen meine Angst- und Panik-zustände sind sehr vielfältig und in den letzten acht Jahren in Krisen immer mein Rettungsanker und Wegweiser gewesen.
Meinen ersten Kontakt mit Yoga hatte ich vor acht Jahren, als mein Vater ,ein Yoga-praktizierender, mit mir die tiefe Bauchatmung übte, um mich während einer meiner ersten Situation großer Panik (Panikattacke) zu beruhigen. Ich war damals 20 Jahre alt und erschrocken über meine eigene Emotionswelt, die mir auf einmal als so unkontrollierbar erschien. Auch wenn mein Stressniveau weiterhin ziemlich hoch war, konzentrierte ich mich das erste Mal in meinem Leben bewusst auf meine Atmung, was gewiss eine erneute Aufgabe für mich darstellte. Ich kann mich daran erinnern,
dass ich mich in den darauffolgenden Jahren während vieler Tiefenentspannungen und
Phantasiereisen, sowie bei meinem ersten Yoga-kurs, denn ich ca. ein Jahr später besuchte, unglaublich dabei anstrengen musste meinen eigenen Atem einfach nur fließen zu lassen. Es schien ,als wenn ich jedes mal wenn ich bewusst meinen Atem fokussierte, so irritiert über seine Existenz war, dass ich versuchte ihn zu kontrollieren.
Das Thema welches sich mir dadurch auf einer Körper trifft Geist Ebene eröffnete und damit bewusst in mein Leben trat, war das Thema LOSLASSEN. Grundsätzlich muss ich an dieser Stelle sagen, dass Yoga mir im Umgang mit meinen Angstzuständen v.a. Dingen dadurch geholfen hat bestimmte für mich wichtige Themen überhaupt und v.a. Dingen BEWUSST wahr zunehmen. Das Interessante dabei ist, dass ich im Laufe der Jahre mit dem Erleben von teilweise starken Gefühlen wie Angst, oder sogar Panik gespürt habe, dass gerade das Lernen von LOSLASSEN ein unabdingbarer Faktor ist, wenn es darum geht einen gesunden und hilfreichen Umgang mit übersteigerten Ängsten zu bekommen. Meine Angst die Kontrolle zu verlieren, zeigte sich mir in der Beobachtung meines Atems, dem Mantra des Lebens, den ich genau so wenig loslassen konnte, wie meine Ängste, wenn sie mich zu überrollen drohten. Indem ich das LOSLASSEN des Atems
allerdings immer und immer wieder übte, was für mich eine unglaublich große Anstrengung darstellte, übte ich mich darin Dinge geschehen zu lassen und mich nicht zu identifizieren, Kontrolle abzugeben und mich nicht immer als non-stop agierende Kämpferin auf einem Schlachtfeld, sondern als unbeteiligte Beobachterin zu verstehen. Dieses Üben hatte für mein Leben unmittelbare positive Auswirkungen. Ich vergleiche diesen Prozess auch gerne mit einem Marathonläufer, der alle Anstrengung und körperlichen Schwächegefühle nicht nur auf seiner Laufstrecke in Willenskraft transzendiert. Somit führte auch mein trainieren mit dem Thema
LOSLASSEN dazu, dass ich mich in Situationen großer Angst, mit denen ich mich vorher
identifizierte, auf einmal loslösen konnte. Ich nahm meine Gefühle nicht mehr, als etwas
Unberechenbares wahr ,dass mich überrollte, sondern verspürte mehr Gelassenheit und Akzeptanz, sowie die neue Fähigkeit in mir die Dinge zu beobachten. Sicherlich war ich dadurch nicht frei von Ängsten nur mein Umgang damit veränderte sich stark .
Eine sehr große Veränderung in meinem Leben spürte ich auch dann, als ich anfing regelmäßig zu meditieren. Eine sehr gute Freundin von mir ist Yogalehrerin und eröffnete mir im Alter von 23 Jahren die Welt der Mantras. Lange Zeit sang ich acht bis zehn Minuten Mantras,(v.a. Dingen solche, die hilfreich gegen Ängste sein sollten, und ging danach für mehrere Minuten in die Stille. Ich merkte SOFORT eine Veränderung . Ich spürte eine Stille, die sich in meinem Geist ausbreitete, die ich vorher noch nie wahrnehmen durfte. Wellen gingen durch meinen Körper und ich verharrte
in dieser Faszination, während ich versuchte mich in diesen Wellen aufzulösen.
Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich starke Angstzustände, da ich mich oft mit meinem Studium und dem Bestreiten meines Lebensunterhaltes überfordert fühlte. Existenzängste gemischt mit Versagensängsten in Seminaren im Zuge meines Studiums nahmen mir viel Lebensqualität. Manchmal war ich so angespannt, dass ich zwischen Uni und Arbeit anfing nachmittags bewusst in einer Tiefenentspannung zu entspannen. Diese wurde dann durch meine sehr positiven Erfahrungen mit der Meditation ,durch tägliche Meditationsitzungen abgelöst. Ich steigerte meine Meditationssitzungen schnell von zehn auf zwanzig , dreißig, vierzig Minuten. Es kostete mich nie Anstrengung mich für die Mediation hinzusetzen, weil ich mich schon immer vorher auf das
friedliche Dasein im Meditationszustand freute.
Nachdem ich mir mehr, oder minder das meditieren „selber-beigebracht“ hatte, entdeckte ich im Internet die Yoga-Vidya-Homepage inklusive Meditationsanleitungen. Ich wurde auch auf die täglichen Inspirationen aufmerksam, die ich von da an zu hören pflegte. Vor allem in Phasen in denen ich aufgrund meiner Belastung durch mein Studium plus Arbeit extrem angespannt und somit auch ängstlich war, half es mir den Inspirationen zu lauschen. Die von Sukadev vorgetragenen Inhalte zum Thema Yoga und yogische Lebensführung bildeten mich weiter und ich versuchte seine Weisheiten in meinem Alltag zu beherzigen und mich nicht mehr ständig mit meinem Ego und den damit verbunden leidvollen Verhaftungen zu identifizieren. Ich fing auch an von Sukadev
angeleitete Meditationen zu praktizieren und hatte dann auch nachdem ich mehrere Male eine Meditation mit Konzentration auf das Anahata-Chakra gemacht hatte eine sehr heftige Meditationserfahrungen. Ich verspürte sehr starke Energieerfahrungen, die mich zum damaligen Zeitpunkt heftig verunsicherten. Niemals hätte ich gedacht, dass ein solches Empfinden in der überhaupt Meditation möglich ist und erneute Ängste, die Kontrolle zu verlieren kamen in mir auf. Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass Ausdehnungsmediationen und Kundalini-meditationen bei mir zu sehr starken Meditationserfahrungen führen und praktiziere sie deswegen nicht mehr.
Nichtsdestotrotz meditierte ich weiter und hörte wie von alleine auf Fleisch zu essen und auch zu rauchen. Durch meine regelmäßige Meditationspraxis wurde ich viel gelassener und hatte das Gefühl immer mehr loslassen zu können. Wenn ich vor einem Vorstellungsgespräch z.B. aufgeregt war, versuchte ich mich, wie von Sukadev empfohlen, mit meinem Atem mit den Menschen, vor denen ich Angst hatte zu verbinden und schickte ihnen mit der Ausatmung Licht. Diese Methode half mir sofort und ich lächelte von innen heraus. Ich arbeitete auch mit positiven Affirmationen und beende bis heute fast jede Meditation mit „Ich bin voller Kraft und Energie. Mir geht es gut. Ich freue mich auf den weiteren Tag.“ Außerdem lächle ich jeden Menschen, denen ich an diesen Tag
begegne gedanklich zu und beende dies mit einem Lächeln, welches ich an mich selber schicke. Jedes mal wenn ich dies mache merke ich, wie etwaige Anspannungen verschwinden und ein Gefühl von Zuversicht und Harmonie in mir aufsteigt.
Meine positiven Erfahrungen mit Yoga gaben mir zum Abschluss meines Studiums soviel
Selbstvertrauen, dass ich mich entschloss meine Arbeit als Sozialarbeiterin und mein großes Interesse für Yoga miteinander zu verbinden und verbrachte ein Jahr in einem
Rehabilitationsprogramm für Straßenkinder in Indien. Dies war die bis dato größte Herausforderung meines Lebens und ich war nicht nur aufgrund der klimatischen Bedingungen und der Lautstärke der viertgrößten Millionenstadt Indiens in einer ständigen Challenge. Mein Job in einem Heim für ehemalige Straßenjungen und die ganzen Fragen, und Gewissensbisse, die aufkommen wenn man sich bewusst macht in was für einer Überflussgesellschaft wir leben, stießen mir ziemlich auf. Auf einmal traten nach Jahren wieder Ängste in meine Leben, die ich, wie ich glaubte schon verabschiedet hatte. Nun befand ich mich allerdings auf einem anderen Kontinent, was mich in zusätzliche Panik versetzte.
Ich bin mir sicher, dass Menschen, die in ihrem Leben mit starken Ängsten konfrontiert sind, lernen müssen sich selber zu beruhigen. Ich hatte schon immer einen starken Glauben und dieser wurde in jeder „Angst“- Krise nur verstärkt. Da ich an die Kraft des Gebets glaube bin ich bezüglich meiner Ängste auch schon oft mit Swami Sivananda, Jesus, oder Amma in Verbindung getreten. So auch in Indien, wo ich darum bat meine Krise mit Hilfe der Meister in Indien zu überwinden. Eine Woche später befand ich mich dann allerdings doch am Flughafen, um meinen Weg zurück nach Deutschland anzutreten. Wie durch ein Wunder konnte ich durch einen Fehler der indischen
Organisation, für die ich arbeitete, nicht ausreisen. Ich spürte sofort, dass dies nun meine Chance war Zuflucht und Heilung in einem Ashram zu finden. Noch in der gleichen Woche machte ich mich auf den Weg in den Ashram von Mata Amritananda Mayi, in dem v.a. viel Bhakti- und Karma- Yoga praktiziert wird. Zu meinem großem Glück war Amma gerade im Ashram und ich bekam direkt zu meiner Anreise Darshan. Meine Ängste, die ich weiterhin hatte versuchte ich jeden Tag an Amma abzugeben und ihre Energie durch mich hindurch fließen zu lassen. Ich arbeitete jeden Tag in einem von Amma eingeführten Recyclingprojekt mit und stellte mir dabei vor, wie ich durch diese Tätigkeit quasi in mir selber aufräumte. Dies betrachtete ich ähnlich , wie die Situation mit  dem loslassen des Atems. Nur übte ich mich in meinem Karmayoga mit dem Reinigen des Geistes.
Ich besuchte täglich den Bhajan, indem wir gemeinsam sangen und mein Geist erneut durch die Klänge und die Konzentration gereinigt wurde und ich endlich wieder Harmonie empfinden konnte.
Wie schon erwähnt schätze ich sehr die Kraft des Gebetes und war sehr von den hinduistischen Verehrungsritualen/ Pujas angetan, die in dem Ashram mehrmals am Tag stattfinden. Ich war sehr gerührt von der Hingabe, und sah das Ritual auch als Übung für mich, dass wir alles an eine höhere Macht abgeben können, auch die Angst. Ich betete viel und spürte innerhalb eines Zeitraumes von drei Wochen eine so starke Transformation bei mir, die ich vorher nur innerhalb von zwei Jahren erlebt hatte. Seitdem verstehe ich auch warum man sagt, dass sich im Ashram das Karma beschleunigt.
Ich verstand auch, dass meine ständigen Krisen und Konfrontationen mit dem Thema Angst karmisch sind und gewann eine neue Demut meinem inneren Erleben gegenüber.
Mir ist klar, dass die Fragestellung lautet, wie hat Dir Yoga gegen Deine Ängste geholfen,jedoch möchte ich es mir nicht nehmen lassen an dieser Stelle noch kurz von meiner Reikiausbildung zu erzählen, die ich in Indien gemacht habe. Ich bin fest davon überzeugt, dass Berührungen heilen können und habe bei mir selber und vielen anderen Menschen sehr positive Erfahrungen mit Reiki gemacht. Ich kombiniere Reiki oft mit verschiedenen yogischen Übungen und lege mir z.B. während Shavasana eine Hand auf das Agna- und die andere auf das Manipura-Chakra. Wenn ich meine Hände nach einiger Zeit wieder ablege, spüre ich sofort, wie sich etwas in mir harmonisiert hat und mehr innere Ruhe spüren kann.
Vor zwei Jahren habe ich Yoga Nidra für mich entdeckt und gemerkt, dass dies eine besonders wertvolle Methode ist, wenn es darum geht sich selber zu beruhigen. Yoga Nidra dauert länger als die meisten Tiefenentspannungen und beinhaltet ein Sankalpa, ein Wunsch, oder positive Affirmation, welche man so lange wiederholt, bis sie sich im Alltag bewahrheitet. In Phasen, in denen ich mich aufgrund von besonderen Herausforderungen im Leben gestresst fühle, praktiziere ich täglich Yoga Nidra. Denn Anspannung und Stress bedeutet für mich auch ein höheres Angstniveau. Wenn ich Yoga Nidra praktiziere, was ich dann meistens nach dem Mittagessen, oder dem Schlafen gehen mache, merke ich, wie sich Spannungsfelder entladen, auf die ich sonst keinen Zugriff hätte.
Außerdem übe ich mich viel in Achtsamkeit, nicht nur in den Meditationen, sondern während des Essens, Laufens, etc. Ich versuche immer nur eine Tätigkeit auszuführen und mehr zu beobachten und nicht zu bewerten. Letzteres ist sicherlich nicht immer einfach. Allerdings habe ich deutlich gemerkt, wie sich das Leben durch Achtsamkeit erleichtert und auch der Umgang mit Ängsten einfacher wird.
Sicherlich werde ich immer mit Ängsten in meinem Leben konfrontiert werden. Bis zu einem gewissen Grad ist dies auch gesund. Für alles was darüber hinaus geht, fühle ich mich durch Yoga gewappnet. Yoga ist ein ganzheitliches System und ich habe von der Sivananda-tradition aus v.a. fünf Yoga wegen Werkzeuge erlernt, die mir einen neuen Umgang mit meinen Ängsten eröffnet haben z.B. im Hatha-Yoga durch Wechselatmung die Nadis zu harmonisieren, oder in Tiefenentspannungen zu entspannen. Im Raja-Yoga durch Meditation meinen Geist zu kontrollieren, im Karma-Yoga mich in Hingabe und Demut zu üben, im Bhakti-Yoga mein Herz zu öffnen, was sehr wichtig ist, da es sich bei Angst verschließt und die Philosophie im Jnana- Yoga, die inspiriert und das eigene Denken erhebt und gerade im Umgang mit Ängsten neue Wege/Denkkonzepte aufzeigen kann.
Wie ihr seht, habe ich gerade durch meine Ängste eine so intensive Beziehung zum Yoga
bekommen. Ich habe viel dadurch lernen können und transformiert. Ich lebe und liebe Yoga und bin dankbar für dieses Konzept, welches mir nicht nur im Umgang mit meinen Ängsten geholfen hat, sondern mir auch eine neue Lebenswelt eröffnet hat, von der ich auf allen Ebenen profitieren kann.
3x Om Tryambakam für alle Wesen, die unter Ängsten leiden. Ihr habt mein vollstes Mitgefühl.
Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es etwas gibt, dass uns helfen kann.
In diesem Sinne, Om Shanti.
Eure Maria

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